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Il Trovatore im Theater Biel-Solothurn

Il Trovatore ist neben Rigoletto und La Traviata auf Verdis Höhepunkt des Schaffens entstanden. Verdi interessierte sich für das Drama «El trovador» des spanischen Romantikers Antonio García Gutiérrez. Ohne Auftraggeber und aus reinem Eigeninteresse an dem Drama mit seinem originellen und bizarren Stoff schuff er eine kontrastreiche und musikalisch vielfältige Oper, welche 1853 in Rom uraufgeführt wurde.


Am 25. Februar hatte die Oper nun im Theater Biel, oder besser im Palace beim Bahnhof, ihre Premiere.

Zu Beginn ist eine moderne Gaststube auf der Bühne zu sehen, ein Mann erhebt sich und beginnt die Geschichte vom Conte di Luna zu erzählen. Es ist Ferrando (Yongfan Chen-Hauser), Hauptmann des Grafen Luna (Michele Govi).



Danach wechselt die Szene und man hört eine junge Frau, Leonora (Corinne Angela Sutter), klagen über ihren Liebeskummer. Ihre junge Freundin Ines (Rie Horiguchi) hört ihr geduldig zu. Nach und nach erscheinen immer mehr Personen und es dauert seine Zeit, bis das Publikum alle Personen einordnen kann und die Rollen und Beziehungen der Personen versteht.



Leonora hat sich in Manrico (Angelo Ferrari) verliebt. Dieser singt ihr auch ein Ständchen, was der Oper den Namen gibt; Il Trovatore - der Troubadour. Manricos Grossmutter wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt und seine Mutter Azucena (Alessia Sparacio), eine Zigeunerin, musste ihr in ihrem Todeskampf im Feuer versprechen, sie zu rächen. Azucena wollte des Grafen jüngeren Sohn verbrennen, doch weil die Tränen ihre Sicht trübten, warf sie ihr eigenes Kind ins Feuer und sie zog stattdessen den Sohn des Grafen auf. Wie Alessia Sparacio dies in der Szene beim Wartehäuschen nachspielt und leidet, wie sie ihre Handtasche als Kind vor sich hält welches sie ins Feuer warf, berührt und zieht den Zuschauer in den Bann und lässt vermutlich keinen unberührt im Saal.

Somit ist also zu erwähnen, dass Il Conte di Luna und Manrico Brüder sind. Doch der Graf wirbt auch um Leonora und es beginnt ein grausames Duell zwischen den Rivalen.



Zum Schluss nimmt der Graf Manricos Mutter zur Gefangenen und kann auch ihn inhaftieren. Leonora bietet sich dem Grafen als Ehefrau an, um das Leben ihres Geliebten Manrico zu retten.


Doch als sich Leonora im Kerker von ihrem Geliebten verabschieden will, sagt sie, dass sie sich vergiftet habe und als der Conte das zu hören bekommt, bringt er Manrico um. Zum Schluss bleibt nur noch die gefesselte Mutter von Manrico, die dem Conte dann erklärt, dass er soeben seinen eigenen Bruder umgebracht habe und das sei die Rache für den Tod ihrer eigenen Mutter.



Die Musik des Orchesters war hervorragend und passte stets zum Gesang. Der Gesang basierte auf einem Niveau der hohen Schule. Die Stimmen drohten teils den Saal zu sprengen und bei den hohen Tönen schien mir, dass die Zuschauer den Atem anhielten um all diese magischen Töne aufnehmen zu können.


Leider hat die Regie ein paar Mankos. Die Mutter von Manrico ist etwa gleich alt wie er und daher wirkt diese Familienkonstellation sehr unrealistisch.

Die Kostüme sind passend gewählt bis auf ein paar Ausnahmen. So passen die Kleider zu Leonora teilweise nicht, heben sie doch ihre Figur hervor statt sie zu kaschieren und es wirkt unfreiwillig komisch, wenn ihr Liebhaber von seinem Engel singt.


Die Idee mit den drehbaren Bühnenbildern finde ich gut gewählt und sehr modern. Einige Male gab es da jedoch Probleme und die Bühnenarbeiter brauchten lange um das neue Bühnenbild zu installieren. Und auch an zwei Stellen sind die Projektionen zu bewegt und lenken den Zuschauer zu fest vom Geschehen auf der Bühne ab.

Die Darsteller, insbesondere der Chor, wirkten teils verloren auf der Bühne und man hatte das Gefühl, sie wissen nicht was tun. Hier sollte die Regie den Darstellern bessere Anweisungen geben.


Das Stück wurde in der Neuzeit transferiert. Die Bühnenbilder und Kostüme wurden sehr modern gewählt und die Thematik erinnert häufig an die letzten Balkankriege. Leider passt die Hexenverbrennung nicht in die heutige Zeit und die Regie hätte hier auch ruhig mehr Mut zu etwas kreativerem aufbringen können.




Ansonsten war es wirklich sehr sehens- und vor allem hörenswert. Die Stimmen waren sehr stark und ausdruckskräftig und wenn man ab und zu die Augen schloss, schienen sie einem weit weg in eine fremde Welt zu befördern. Manche Melodien sind bekannt oder kommen einem so vor, dass man versucht ist, mitzusummen. Es ist auf jeden Fall einen Besuch wert, den man geniessen kann.


Text: Julia Schaffer




IL TROVATORE

Dramma in vier Aufzügen

Libretto von Salvatore Cammarano und Leone Emmanuele Bardare nach dem Drama «El trovador» von Antonio García Gutiérrez

Musik von Giuseppe Verdi

Musikalische Leitung: Franco Trinca

Inszenierung: Stefanie Pasterkamp

Bühne und Kostüme: Stefanie Pasterkamp

Chorleitung: Valentin Vassilev

Conte di Luna:Michele Govi

Leonora: Corinne Angela Sutter

Azucena: Alessia Sparacio

Manrico: Angelo Ferrari

Ferrando: Yongfan Chen-Hauser

Ines: Rie Horiguchi

Ruiz: Konstantin Nazlamov

Zingaro, Messo: Valentin Vassilev

Chor des Theaters Biel Solothurn

Sinfonie-Orchester Biel

*Studierende der Hochschule der Künste Bern, Schweizer Opernstudio




"Talent ist wichtiger als Technik"

- Andreas Feininger -

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