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Carl Zeiss Jena Biometar T 2.8/80mm

Der nachfolgende Text soll die Erfahrungen abseits von Testcharts und Schrauben des Carl Zeiss Jena Biometar T 2.8/80mm von 1953 an der Sony Nex sowie an der (modifizierten) Canon EOS 5D zeigen. Bei der Besprechung des Objektives sind subjektive Eindrücke und Eigenheiten wichtiger wie das letzte Quentchen Schärfe. Ein Teil dieser "Fehler", welche den Charakter eines Objektives ausmachen, sind >hier< beschrieben.



Wenn man im Internet sich durchliest, sollte das Objektiv rar und selten sein, es ist aber an allen Ecken und Kanten zu kaufen. Der Preis für die Variante bis 1956 bewegt sich bis CHF 250, was meiner Meinung nach zu teuer ist aber auch aufzeigt, dass das Objektiv noch fleissig gesammelt wird.  



Bedienung

Das verwendete Objektiv hat einen Exakta-Anschluss und passt nicht an eine unmodifizierte Canon Vollformatkamera. Das Objektiv ist komplett aus Metall und Glas gefertigt und liegt gut in der Hand. Entgegen der Befürchtungen läuft der Schneckengang der Fokussierung fein und ohne harzen. Sollten sie Luftblasen in den Linsen sehen, so ist dies normal bei Objektiven aus dieser Zeit und hat auf die Aufnahmen in der Regel keinen Einfluss.


Um von nah auf fern zu fokussieren braucht es fast eine ganze Umdrehung des Entfernungringes. Der Blendenring hat wie damals üblich noch keine Rasterung. Das Objektiv hat eine Vorwahlblende, dass heisst man stellt die gewünschte maximale Blende ein, fokussiert bei Offenblende und schliesst die Blende vor dem Auslösen auf den gewählten Wert. An der Sony Nex lässt es sich sehr gut bei Offenblende mittels Fokus-Peaking scharfstellen.


Offenblende, Bokeh, Farbfehler

Mit einer Offenblende von 2.8 ist das Objektiv nicht sehr lichtstark, dafür ist es klein und leicht.

Das Biometar soll eine vereinfachte Variante des Planars sein (Doppel-Gauss mit 5 Linsen anstelle 6). Die Vergütung, welche durch das rote T vorne am Objektiv angezeigt ist, machte diesen Objektivtyp erst populär. Das Objektiv ist scharf bei Offenblende und es zeigt sich ein weisser Schleier in kontrastreichen Kanten im Unschärfe-Bereich. Ab Blende 4 ist dieser Schleier verschwunden und das Objektiv legt an Schärfe nochmals zu. Die Verzeichnung ist selbst an einer 5D sehr klein und vernachlässigbar.



Obwohl dem Biometar ein schönes Bokeh nachgesagt wird, ist es doch Zwiespältig. Stellt man auf etwa 2 Meter scharf und hat weit entfernte Lichter im Hintergrund, so haben diese eine scharfe Kante um den Kreis, es wirkt alles andere wie schön und ist sehr unruhig. Bokeh ist sehr subjektiv und wird von jedem anders empfunden.  Das Bokeh in untenstehendem Bild wird auf anderen Webseiten als "Beautiful" und "schön da rund" beschrieben, mir hingegen gefällt es nicht. Sind keine Lichter im Hintergrund, ist das Bokeh gut.



Erstaunlicherweise wird das Bokeh ruhiger, wenn man die Blende leicht schliesst, siehe das Beispiel in der Galerie am Ende des Artikels mit den Schneewanderwegschildern. Mit 12 Lamellen ist die Blende auch geschlossen kreisrund.


Der Kontrast oder besser die Auflösung bei Offenblende dürfte alles in allem höher sein und die Farben sind etwas dumpf, mit viel Licht auf dem Objekt ändert sich der Eindruck. Die Schärfe legt beim Abblenden massiv zu.



Erstaunlicherweise ist das Objektiv relativ resistent gegen Farbfehler, allerdings anstelle der violetten Farbsäume treten Überstrahlungen auf, welche durch  Abblenden verschwinden.


Blendensterne, Flares & Ghosts

Das Objektiv ist trotz Vergütung sehr empfindlich auf Gegenlicht und kann blaue Flecken erzeugen (wie auch beim Biotar 2/58). Schöne Blendenflecken oder Strahlen habe ich bisher mit dem Objektiv leider nicht erzeugen können. Blendensterne haben 12 Strahlen, wirken aber nicht sehr schön.


Fazit

Durch diverse Testberichte im Netz waren meine Erwartungen in dieses Objektiv sehr gross, doch leider wurden sie so ziemlich enttäuscht. Das Objektiv ist scharf, liegt gut in der Hand und ist an der Nex auch einfach mittels Focus-Peaking scharf zu stellen. Dies sind leider die einzige charakterisierende Eigenschaft, welche mir positiv aufgefallen sind. Die Bilder mit der Canon 5D wie auch die der Sony Nex-6 sind im Grossen und Ganzen nicht gefällig.


Technische Daten des verwendeten Objektives:


Carl Zeiss Jena Biometar 80mm f/2.8{

Baujahr ca.  1953

Konstruktion: 5 Elemente in 4 Gruppen

Blendenlamellen:  12

Bildwinkel diagonal Vollformat / APSC: 30° / 20°

Blendenbereich: f/2.8 bis f/16

Distanzskala: 0.8m bis unendlich

Gewicht: 235g

Abmessungen: D 60 mm, L 67 mm, Filter 49mm




Sony Nex-6, Carl Zeiss Jena Biometar 2.8/80@f/4

Sony Nex-6, Carl Zeiss Jena Biometar 2.8/80@f/2.8

Sony Nex-6, Carl Zeiss Jena Biometar 2.8/80

Sony Nex-6, Carl Zeiss Jena Biometar 2.8/80

Sony Nex-6, Carl Zeiss Jena Biometar 2.8/80

Sony Nex-6, Carl Zeiss Jena Biometar 2.8/80

Sony Alpha 7r, Ausschnitt, Carl Zeiss Jena Biometar 2.8/80@f/2.8

Canon EOS 5D2.5, Carl Zeiss Jena Biometar 2.8/80

Sony Nex-6, Carl Zeiss Jena Biometar 2.8/80@f/2.8


"Talent ist wichtiger als Technik"

- Andreas Feininger -

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