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Nach einem Jahr Video mit der Spiegelreflex

Erste Erfahrungen mit "Moving Photography"

Im Winter 2005 verkaufte ich meine umfangreiche analoge Ausrüstung und wechselte zur Canon EOS 20D, einer digitalen Spiegelreflex mit Brennweitenverlängerung. Als im folgenden August das digitale Vollformat durch Ankündigung der Canon EOS 5D in bezahlbare Nähe rückte, war es für mich klar: diese Kamera muss ich haben. Im Dezember 2005 hatte ich sie dann in den Händen und sie hat mich bis heute, sei es bei Konzerten, Hochzeiten, Studioaufträgen oder auch Unterwasser, nie im Stich gelassen.


Neben der Fotoausrüstung hatte ich immer eine Videokamera für Schulungsvideos. Bisher war für Videoaufnahmen immer viel Licht erforderlich und die Bilder sehen wie "Video" aus, Clean und scharf von vorne bis hinten. Mittels eines teuren 35mm-Film-Adapters kann dieser Look Richtung Film verändert werden, allerdings für die gelegentlichen Anwendungen ist es zu Umständlich und teuer.


Das Erste Video mit einer Fotokamera

Im September 2008 wurde nun der Nachfolger der EOS 5D vorgestellt. Mit 21 Megapixeln und einem nutzbaren ISO-Bereich von 100 bis 6400. Speziell die Live-View-Funktion, welche mir das Geschehen vor der Kamera auf dem LCD-Display zeigt, habe ich bisher an der "Alten" bei Unterwasseraufnahmen vermisst. Neu hinzu gekommen ist eine Videofunktion in HD-Auflösung. Speziell bei Instruktionsmaterial für Arbeitssicherheit braucht es häufig Videoaufnahmen. Nun haben diese Videoaufnahmen dasselbe Aussehen wie die Fotos und ich brauche nicht extra den Camcorder mit zu nehmen.


Ende Oktober 2008 hatte ich die Kamera in den Händen und erste Filmaufnahmen mit einer Empfindlichkeit von ISO 3200 sind beeindruckend. Noch am selben Abend nach 22 Uhr drehe ich zusammen mit Silvio Panosetti von Pan-Productions, Arlesheim, und der Sängerin Bora Lane ein Video. Der automatische AF lassen wir nach einigem Probieren sein und fokussieren manuell. Dies ist mit dem Hineinzoomen in die Live View auch problemlos möglich. Es sind eher bewegte Fotos wie Videos. Die Studioszenen drehen wir in schwarz/weiss und die Aussenszenen in Farbe.



Die Kamera funktioniert auch in strömendem Regen und die Resultate begeistern. Die Dreharbeiten gingen bis 4 Uhr in der früh. Nun muss es noch geschnitten und gewandelt werden. Der erste Schreck zeigt sich beim Laden der Videos (HD Movie 1920x1080, H.264). Der Mac G5 Dual 2.5GHz mit Final Cut 6 ist überfordert. Es scheint, das die Decodierung des H.264-Standards nicht schnell genug ist. Selbst in Vorschaugrösse ist es nicht ruckelfrei abspielbar. Das es auf neuen MACs mit Intelprozessoren funktioniert, zeigen diverse Beispiele im Internet.

Nach dem Exportieren des Videos nach 960x540 und anderem Codec laufen die Videos geschmeidig. Es zeigt sich bei der Kontrolle am Monitor, dass der manuelle Autofokus und die geringe Schärfentiefe meiner lichtstarken Objektive auch ihre Tücken haben. Während der Aufnahme habe ich ein Hineinzoomen zur Schärfekontrolle vermisst. Auch wurde die manuelle Kontrolle über Blende und Zeit während den Aufnahmen erst sechs Monate später durch ein Update der Kamera möglich.

Auf Vimeo und Youtube stelle ich das fertige Video unter "Moving Photography" ein und innert kurzer Zeit haben etwa ein dutzend europäische und amerikanische Zeitschriften das Thema aufgegriffen und das Video wurde mehr wie 120'000 mal angesehen.


Ein Jahr danach

Inzwischen wurden drei EPKs (Elektronic Press Kit) für Künstler erstellt, drei Schulungs-, zwei Promo- und einige Musikvideos mit der Kamera gedreht. Es zeigt sich, das die Erstellung eines Musikvideos in etwa ein Viertel bis die Hälfte wie mit dem bisherigen Equipment kostet, aber durch die Handhabung und Lichtempfindlichkeit der Kamera wesentlich freier bei der Wahl der Location ist.




Bekannt aus Funk und Fernsehen

Anfang September haben wir für die Singlerelease "Goldne Thron" ein Musikvideo in einer feuchten, stockdunklen Höhle in der Nähe von Basel gedreht. Als Kameramann, Beleuchter, Drehbuchkritiker und Co-Regisseur verbratet man viel Zeit mit Locationsuche, auftreiben von Helfern und Pyrofrauen, Licht etc.

Viel Aufwand für schlussendlich 3 Minuten Video. Zum Einsatz kamen 2 Canon EOS 5D Mark II mit 15mm Fisheye bis 135mm und ein Merlin Steadykam. Das Merlin ist ein kleines Schwebestativ welches beim Gehen die Schwankungen durch Schritte weitgehendst eliminiert.


Als Hilfreich hat sich ein 24"-HDMI-Monitor mit 5m Kabel erwiesen, damit alle das Bild sehen konnten und die Schärfe besser beurteilt werden konnte. Ãœbrigens sind ausser den Tageslichtaufnahmen keine Aufnahmen unter ISO 2500 entstanden.


Für SF DRS musste das Video noch auf Betacam umgerechnet und ihnen so abgegeben werden. Hier nun das Ergebnis:



"Talent ist wichtiger als Technik"

- Andreas Feininger -

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