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Ein Canon EF 600mm f/4 auf Flugreise (Gitzo Adventury 45L)

Für jeden Fotografen mit einem Canon EF 600 L IS f/4 stellt sich spätestens bei einer Flugreise, wie bringe ich es in einen handgepäcktauglichen Rucksack mit angeflanschter Kamera.


Das EF 600 ist einfach zu lang.

Grössenvergleich EF 600mm mit angesetzter GeLi zu Gitzo 45

In den inzwischen verkauften Lowepro Powder BP 500 AW passt es schon mal gar nicht, nebenbei ist der Lowepro für das Gewicht des ganzen Geraffels plus Essen und Trinken zu wenig stabil und einige Nähte sind gerissen.


In den F-Stop Tilopa mit XLarge-ICU passt das 600er gerade noch, aber leider ohne angesetzte Kamera. Easyjet erlaubt bei Sitzplätzen "Up front" oder "Extra legroom" die Gepäckmasse 56x45x25cm.


Der Tilopa ist 59cm hoch und somit etwas zu lang, die XLarge ICU ist 48cm. Mit diesen Massen ist eigentlich nur die XL-ICU kabinentauglich und könnte um 7cm länger sein, dann würde auch die Kamera an das 600er passen. Keine Ahnung woher das bescheuerte Mass von 49cm kommt, das normale Handgepäck ist 45x36x20cm, also für dieses wäre die ICU wiederum zu gross.


Da nicht alle mit EasyJet fliegen oder wem es nicht schon jetzt zu kompliziert wird, die IATA (International Air Transport Association) legt die maximale Grösse des Handgepäcks auf 55x40x20cm fest, wobei in Ausnahmefällen auch 56x45x25cm erlaubt sind (Pilotenkoffer). Achja, was ich vergass, das Maximalgewicht ist 10 Kilogramm.


Der Gitzo Adventury 45L sieht potthässlich aus, hat aber mit einer Länge von 55cm genau die Masse des erlaubten Handgepäcks und das 600er mit angesetzter Kamera geht knapp rein.

​externe Abmessungen

Foto Innentasche

Gitzo Adventury 45L

55x35 x 22 cm

52x30x18cm

F-Stop Tilopa (50L)

59.7x35.6x30.5cm

XL 48.3x29.2x17.8cm

F-Stop Shuka (70L)

68.6x35.6x30.5cm

TeleMaster 66x29x20cm

Die Innerei für Fotozeugs kann auch beim Gitzo herausgenommen und mit einem Traggurt versehen werden.


Foto-Innentasche

Die Nähte des Rucksackes sind wesentlich stabiler wie die des Lowepro. Im Boden ist eine Regenhülle verstaut. Sie dämpft auch beim Abstellen die Schläge etwas. Aussen lässt sich das grosse Einbeinstativ von Gitzo (4542LS) gut anbringen. Leider sind die Aussentaschen relativ klein und gehen nur über ein Drittel bis die Hälfte der Höhe, so dass mein Camelbak für 2.5 Liter Wasser nicht reinpasst. Dafür hat es einige Ösen an welche ich meine F-Stop Köcher anbringen kann.


Das Daypack wird wie eine "alte" Ortlieb Fahrradtasche zusammengerollt und ist dadurch nur so gross wie nötig und gut gegen Regen geschützt. Das Innenteil ist ein Sack, welcher mit Klett angemacht ist und kann herausgenommen werden. Dies ist speziell hilfreich wenn die Fotoinnentasche draussen ist und man den Gitzo als normalen Rucksack verwenden will.



Falls der Beckengurt mal nicht verwendet werden soll, kann er mittels Klettverschlusses abgenommen werden. Der Tragekomfort von Hüftgurt, Schultergurt und Brustgurt sind komfortabel zu tragen, sofern sauber auf den eigenen Körperbau eingestellt. Allerdings kenne ich keinen Fotorucksack, welcher an den Komfort eines normalen Wander- oder Alpinrucksackes herankommt.


Im Internet finden sich teilweise Hinweise, wonach das Rückenfach nicht resistent genug gegen den Schweiss sei und diesen ins Innere transportiere. Der Adventury 45L hat ein Rückenteil, welches vom Deckel des Fotofaches nochmals durch eine Lage Mesh getrennt ist und bis jetzt ist bei mir die Nässe im schottischen Hochland auch nach mehreren Stunden nicht bis zum Equipment durchgedrungen.


Apropos Internet, wenn ich das Internet durchstöbere, dann komme ich auf mindestens 30 Erfahrungsberichte von Typen, welche den Gitzo Adventury 45L in den höchsten Tönen loben. Wenn ich die 15 weglasse, welche das Teil zu Hause auf dem Sofa auspacken und sicherlich nie durch die Pampas schleifen dann sind es noch 15 Fotografen. Diese 15 sind aber auch nicht weiter gekommen wie vom Auto bis zum Tisch an der See, Heuballen auf der Wiese oder nächster Bruchsteinmauer. Ich habe ein einziges halbwegs glaubwürdiges Video zu dem Teil gefunden.


Zwei kleine Taschen sind im Lieferumfang dabei, welche mittels Klettverschlusses im Fotofach befestigt werden können. Der Gitzo lässt kleinen Taschen normaler Fotorucksäcke vermissen, welche den Kleinkram wie Batterien, SD-Karten, Fernauslöser, Filter etc aufnehmen und mittels den beiden anklettbaren Taschen kann diesem Manko abgeholfen werden.

Ich für meinen Teil brauche die beiden Fächer für iPad und/oder Laptop im Deckel zum Fotofach nicht, wobei bei der Verwendung als normaler Rucksack dies anders aussehen mag. Was ich aber sehr vermisse ist eine Aussentasche für A4-Dokumente und den Camelbak. Dies ist bei dem F-Stop Tilopa und Shuka sehr gut gelöst.


Was mir auffällt:

  • Das Regencover ist im Unterboden drin und dämpft beim Abstellen die Fotosachen.

  • Der Tagesteil lässt sich wie die Ortlieb-Fahrradtasche verschliessen (sprich Rollen und zuclippen) und macht einen dichten Eindruck. Es dürfte allerdings etwas grösser sein, bei einem T-Shirt, einer Regen-Jacke und einem Faserpelz ist sie bereits mehr wie übervoll.

  • Das Tages-Fach für Kleider ist ein Sack, welcher mit Klett reingemacht ist und der eingebrachte Dreck somit einfach gereinigt werden kann. Wenn ich den Gitzo als Tagesrucksack ohne Fotozeugs verwende kann ich es einfach rausnehmen.

  • Das Fotoinnenteil lässt sich rausnehmen und man hat dann einen Tagesrucksack, wobei ich vermute das das Rückenteil etwas Instabil wird.

  • Er hat extrem wenig von aussen zugängliche Taschen. So fehlt mir eine für Akkus, Fernsteuerung und sonstiges Fotokleinzeugs. Weiter fehlt eine Tasche für A4-Dokumente, die Aussentasche vorne ist nur 24cm tief. In der Klappe zum Fotofach hat es zwar ein Fach für iPad und eines für Laptop, aber eben ich muss Fototeil aufmachen.

  • Der Bauchgurt kann um etwa 10cm in der Höhe verschoben oder ganz entfernt werden. Er hat auf der einen Seite Ösen, wo meine Tasche für die RX100 oder die F-Stop-Köcher ranpassen.

  • Die Tragegurte sind schön breit und können auch in der Distanz oben verstellt werden.

  • Es gibt viele Ösen für Karabiner oder Straps.

  • Ein Schlafsack kann unten angebracht werden.

  • Ich kann KEINEN Trinkbeutel wie Camelbak oder ähnliche verwenden. Die F-Stops wie auch der Lowepro 500 haben seitlich ein Fach mit Öffnung für den Schlauch und der Camelbak ist sauber verstaut.

  • Die Reissverschlüsse sehen wertig und dicht aus, die Clipverschlüsse sind so naja.

Es geht rein

  • Canon EOS R5 mit angeflanschtem EF 600 f/4 L IS mk3 und kurzer GeLi

  • Canon EOS R6 mit angeflanschtem RF 24-105/4 L IS

  • Canon RF 70-200 2.8 L IS

  • Canon EF 16-35/4 mit Adapter

  • Canon EF 1.4x und 2.0 Konverter

und dran geht

  • In eine Seitentasche 1.5L PET Flasche

  • Durch die anderen Seitentasche das Stativ

  • An Bauchgurt Köcher von F-Stop und/oder Hülle von RX100


ABER:

Das Fotoinnenfach wird durch das 600er nach oben gedrückt. Geht durch die weiche Innentasche problemlos, aber dann ist der Rucksack auch nicht mehr 55cm sondern 59cm hoch.

Gitzo 45L mit kompletter Ladung und angesetzter Kamera

Fürs Fliegen habe ich die Kamera abgenommen und separat verstaut.


Fazit nach der ersten Zugreise

Zuerst warens 12 Tage Familienurlaub in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Gitzo Adventury 45L und 600er. Er war mit bei viel Wandern, Radfahren und Reisen im Zug. 10 Tage war das Teil sicherlich am Rücken, welche es mit gefühlten 10mal pro Tag auf und absetzen mit etwa 14kg Gewicht klaglos über sich ergehen liess.


Dabei im oder am Rucksack war meistens eine

R5 mit angeflanschtem EF 600mm L IS mk3 mit kurzer GeLi

R6 mit angeflanschtem EF 16-35/4 L IS

RF 70-200/2.8 L IS

RF 24-105/4 L IS

TK 1.4x

TK 2.0

Ersatzakkus

Gitzo GM 4552L

1.5L Pet

Sony RX100 am Beckengurt

Dicke Regenjacke und Regenhose

Sonnebrille

Buff

Ein paar Riegel oder sonstiges Essen


Einzig der Brustgurt hat sich bei der Abgabe des Mietwagens irgendwo eingeklemmt und ist noch immer im Kofferraum. Da das Brustgurtsystem dasselbe wie bei Mammut und Deuter ist, konnte ich von einem ausrangierten alten Rucksack den Gurt auswechseln. Allerdings habe ich vom schweizer Gitzo/Manfrotto-Vertreter nach dem ersten „sie hören von uns“ zwecks Ersatzteil nichts mehr gehört , sauschwache Leistung.


Das Regencover hab ich vor allem zum Draufsitzen verwendet,es hat meist nur genieselt oder kurz geregnet, da hab ich es nicht ausgepackt und er blieb innen trocken.


Es hat sich gezeigt, das im Nachtzug die kleine Grösse auch sehr willkommen ist. Der F-Stop Shuka wäre hier schon wesentlich sperriger und mehr im Weg gewesen.



Achja, das Thema war eigentlich Fliegen….

Die 10kg-Regel werde ich wohl nie einhalten, aber beim Check-In von Basel nach Edinburgh und auch wieder retour lief alles problemlos. Das Abfluggewicht auf der heimischen Waage war 12kg.


Von Edinburgh ging es weiter im Auto nach Orkney. Hier habe ich mit viel Regen und Nebel gerechnet, weshalb die Kamera am Objektiv befestigt im Rucksack verstaut sein sollte. Das Wetter hat sich von allen Seiten und vor allem aber der Schlechten gezeigt, dabei haben das Regencovers sowie der beschichtete Boden den Test bestanden. Doch zum Glück wechselte Petrus mehrmals am Tag und es ging immer etwas und wenn es nur wandern in Regenhosen und -jacke war.


Beim Fotografieren der Vögel auf Orkney Mainland und Westray habe ich eigentlich nur das Fach für eine Wasserblase vermisst. Der Adventury 45L ist kein Ersatz für den F-Stop Shuka aber eine gute Ergänzung für Flugreisen oder wenn man in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Fahrrad unterwegs ist und nicht auf sein EF 600mm verzichten will. Wenn man kein 600er sein eigen nennt und maximal ein 400mm Do rein soll, dann würde ich den F-Stop Tilopa mit XLarge ICU vorziehen, schon alleine der schöneren Farben und der etwas durchdachteren Taschen wegen.


Zu verbessern

Zu den 12kg Abfluggewicht kamen beim Wandern noch 1.5kg Wasser sowie Essen, die 15 Kilo waren aber auch das absolute Maximum was noch einigermassen zu tragen ist. Das schwere Gitzo-Dreibein hat das Gewicht auf 19 kg angehoben und die war dann nicht mehr machbar, angefangen beim Hochheben wie auch beim Tragen, die Konstruktion wie auch Gurte machen dann schlapp. Hier hat der F-Stop ganz klar einen massiven Vorteil und 20kg lassen sich dort besser transportieren wie mit dem Gitzo 12kg.


Nach 12 Tagen im Schottland hat sich dann auch das andere Teil des Brustgurtes verabschiedet. Was inzwischen auch die Form verliert ist der rechte Tragegurt im unteren Bereich, das Füllmaterial ist wohl zu weich.


Was etwas stabiler sein könnte sind die Plastikclip der Gurt-Verschlüsse. Den Bauchgurt habe ich schon zweimal fast gekillt weil im Wind und mit Jacke und Fleeze das Teil im Blindflug falsch zugeclippt werden kann und man es sich danach kaum öffnen lässt. Die Verschlüsse sind zu filigran. Ich vermute, dass sie keine 5 Jahre halten werden.


Die Nähte wie auch Reissverschlüsse des Gitzo sind robust. Der Beckengurt musste ich anfänglich häufiger nachziehen, mit der Zeit hat es sich aber wesentlich gebessert.


Was fehlt ist ein Hacken für den Haus-Schlüssel. Wenn man nach 12 Tagen heimkommt und vor der Türe steht ist man froh, wenn man weiss wo man den Schlüssel versorgt hat.


Die Fronttasche ist zu klein und mit 24cm zuwenig tief, ein A4 sollte reinpassen:


Tiefe Aussentasche

Fazit nach 8 Monaten im Gebrauch

Wenn man weniger wie 12 Kilo rumschleppt und Fliegen muss, dann ist der Gitzo kein schlechter Rücksack. Was leider nicht so klappt ist die Kommunikation mit dem schweizer Importeur um Ersatzteile zu erhalten.

Aber empfehlen als alleiniger Fotorucksack würde ich den Gitzo Adventury 45L nicht, dafür hat er zu wenige Aussentaschen, ein zu kleines Tagesfach und vor allem sind die Gurte zu schwach und die Verschlüsse zu filigran.

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