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16 Jahre zahlbares digitales Kleinbild – ein Rückblick

Vor 16 Jahren war es eine kleine Sensation was Canon mit der 5D ablieferte. Aus Kostengründen setzten bis dato die Hersteller von digitalen Spiegelreflexkameras auf Sensoren im APS-C Format. Für viele war die Canon EOS D30, 10D oder 20D der Einstieg in die digitale Welt der Fotografie und mit der 5D bot Canon erstmalig eine handliche Vollformat-Digital-Kamera. Sie wurde mit dem Spruch "mit den Spezifikationen der 1-er Serie und der leichten Handhabung der 20D" beworben und hatte einen für viele Amateurfotografen erschwinglichen Preis von rund 4000 Franken, heute ist sie Occasion je nach Zustand zwischen 200 bis 450 Franken zu bekommen.


Die 5D begeisterte durch ihre kleinen Gehäuseabmessungen und war nur ein wenig grösser wie die EOS 20D. Mit dem Daumenrad und dem Multicontroller gleicht sie der 20D und der Umstieg wurde durch die identische Bedienung sehr erleichtert. Die Menüführung ist allerdings noch nicht in Karteikarten aufgegliedert sondern ist eine lange Scrolliste, wobei sich die 5D durch das Fehlen von Motivprogrammen und internem Blitz klar an den Profi und Puristen richtete. Auch musste man sich mit der RAW-Bearbeitung auseinander setzen, die JPGs aus der Kamera waren der Kamera unwürdig.


Gegenüber einer modernen Spiegellosen wie der R5 fehlen auch Sensorreinigung, Liveview, Video, komplizierte AF-Modi und einfache Steuerung externer Systemblitze (wobei ich Video nicht vermisse).


Aus heutiger Sicht wäre das nachfolgende Bild mit Schwenkdisplay und Liveview schon einiges einfacher zu erstellen.


Der Sucher deckt mit 96% relativ viel vom Bildfeld ab, allerdings wirken ihre 9 AF-Felder im Vergleich zu den 5940 Feldern der R5 schon gar mickrig und auch die Leistung ist aus heutiger Sicht eher bescheiden, allerdings hat man mit dem Daumen- und Frontrad schnell das gewünschte AF-Feld ausgewählt.


5D AF-Punkte und Verteilung

Mit den lichtstarken EF 50/1.2 und EF 85/1.2 musste ich damals immer mit etwa 20% oder mehr Ausschuss rechnen weil der Autofokus daneben lag, mit der R5 ist in der Regel nicht die Kamera Schuld wenn das Portrait nicht scharf wirkt. Die Genauigkeit der Belichtung war auch so eine Sache, mit der Zeit kennt man seine Kamera und stellt die Korrektur vor der Auslösung richtig ein. Auch eine R5 liegt nicht immer richtig, doch sind dies meist 0.5EV daneben und sie hat wesentlich mehr Reserven zur Belichtungskorrektur.


Die 5D hatte noch keine Sensorreinigung und so sind Schatten der Staubpartikel auf dem Bild keine Seltenheit, die monatliche Reinigung wird zur Nervenprobe. Ihr Nachfolger, die 5D Mark II, hatte dann einen Sensorreinigung und das Ritual war nur noch alle 6 Monate erforderlich. Die Reinigung wurde von Modell zu Modell verbessert und den Sensor der EOS R5 musste ich während dem Jahr in Gebrauch kein einziges Mal mehr reinigen.


Das Gehäuse der 5D ist aus einer Magnesium-Legierung. Gegenüber der 1D-Reihe fehlt der eingebaute Hochformatgriff und ein Staub- und Spritzwasserschutz, dafür wartete sie damals endlich mit einem großen 2,5"-LC-Display mit 230.000 Pixeln auf. Aus heutiger Sicht ist die Auflösung ein Witz, gegenüber der 1D war es ein grosser Schritt vorwärts. Ich habe jedoch niemals ein Bild gelöscht weil es auf dem Display nicht gepasst hat, am Rechner zu Hause konnte es ganz anders wirken. Der Spritzwasserschutz wäre an Fussballmatches erwünscht gewesen, blieb das Wetter doch nicht immer trocken, doch sie hat den Regen meist ohne Probleme genommen oder war nach einer gewissen Trocknungszeit wieder einsatzbereit.


Gegenüber der R5 mit 12 bis 20 Bilder pro Sekunde sind die 3 Bilder pro Sekunde der EOS 5D schon fast Einzelbild, speziell wenn man Sport aufnehmen will. Allerdings muss man danach auch nicht ein Bild aus einem Dutzend fast gleicher Bilder auswählen. Mit einem vollen Akku der 5D machte ich in der Regel bis 800 Bilder, der der R5 ist abhängig vom gebrauch und liefert Saft für 250 bis 600 Bilder, in der Regel wechsle ich den R5-Akku während der Dauer einer Firmung.

Die R5 liefert beim Ausdruck bei ISO 6400 in etwa so rauschfreie Bilder wie die 5D bei ISO 3200. Die R5 hat mit ihren 45 Megapixeln auch einen gewaltigen Vorteil gegenüber den 12.8 der 5D und anstelle von A2 kann locker ein A1 ausgedruckt werden, sofern das Motiv sauber aufgenommen wurde.


Wo die R5 die 5D um Welten abhängt ist der Belichtungsumfang, es ist erstaunlich was man noch aus den Schatten des Bildes an Detail hervorholen kann, bis ISO 1600 dürften dies locker 2 Blenden Vorteil für die R5 sein. Dies dürfte auch der Bit-Tiefe der Farbkanäle von 12 bei der 5D zu 14-bit der R5 geschuldet sein.








Fazit:

Ich für mich empfinde das Resultat nicht um 4 Generationen (also 16-mal) besser wie damals, den Weg dazu aber um Welten einfacher.

Die R5 hat einige Dinge, welche ich nicht mehr missen möchte wie schwenkbares Display, Staubschüttler, Liveview, genauer Autofokus oder auch die Fernsteuerbarkeit der Systemblitze. Was die 5D allerdings der R5 voraus hat ist der optische Sucher und Bilder welche eine gewisse Dreidimensionalität haben.

Dieses Fehlen der Plastizität der Bilder mag auch der immer stärker werdenden Eingriffen der Software in die Korrektur der Objektive sein. Es ist günstiger auf die optische Korrektur zu verzichten und gewisse Fehler mittels Software zu korrigieren, aber der "Fingerabdrücken" der Gläser geht somit verloren. Und es ist sicherlich auch der Grösse des einzelnen Sensor-Pixels mit 8.2um gegenüber den 4.39um der R5 geschuldet das die Bilder immer flacher wirken.


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